Im Herbst beginnt der neue Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen/Materialtechnologie an der Hochschule Aschaffenburg.

Frizz / 26.8.2016

Spricht man mit Frau Prof. Dr. Gesa Becküber den neuen Studiengang an der Hochschule Aschaffenburg, tut sich unverhofft eine neue Welt auf. Oder vielmehr, man versteht ein bisschen mehr, was die Welt im Innersten zusammenhält (um Goethe zu bemühen), oder besser: Was die Welt und ihre Wirtschaft verbindet. Tatsächlich sind es nämlich auch die Rohstoffe aus dem Inneren unserer Erde, die eine immens wichtige Rolle für doe industrielle Produktion bei den weltweiten Wirtschaftskreisläufen spielen. Und irgendwann erfährt man dann spannende Fakten über riesige Müllinseln, Plastikkügelchen in Zahnpasta, Silber im Socken, Gold im Kühlschrank und geheimnisvolle Elemente namens Indium, mit denen wir täglich in Berührung kommen.

Aber langsam. Wir wollen ganz von vorne beginnen. Die gelernte Chemikerin Gesa Beck ist eine der Leiterinnen des neuen Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen/Materialtechnologien (WIMAT), der ab Herbst an der Hochschule Aschaffenburg angeboten wird. Dabei geht es neben allgemein wirtschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen schwerpunktmäßig um Materialien aller Art, die im Produktionsprozess eingesetzt werden. Nicht nur die Eigenschaften verschiedener Materialien werden analysiert, man stellt sich auch die Frage, welche Stoffe jetzt und in Zukunft gebraucht werden und vor allem, wie diese Stoffe zu bekommen sind. Ressourcenknappheit ist das Zauberwort. Bestimmte Materialien – wie zum Beispiel die seltenen Erden, die in jedem Plasmabildschirm verwendet werden, oder Indium, welches eine Verbindung bildet, die ein transparenter Leiter und unverzichtbar für Touchscreens ist – kommen nur in bestimmten Gegenden der Welt vor, vor allem in China und auch dort nur begrenzt. Sie werden zunehmend knapper und teurer.

Und schon ist man mittendrin in der Diskussion über die Globalisierung: Wie kann man die Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen reduzieren? Da kommen dann die Materialwissenschaftler ins Spiel. Sie prognostizieren nicht nur, wie lange ein Rohstoff noch zur Verfügung steht, sondern sie forschen auch nach Ersatzprodukten und im Bereich Recycling. Denn alles, was recycelt werden kann, muss nicht neu beschafft werden.

Und so geht es in diesem neuen Studiengang eben nicht nur um die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Materialien, sondern auch um ressourceneffizientes Produzieren, Energie- und Abfallmanagement sowie die Entwicklung von Ressourcenstrategien. Ein Bereich der immer wichtiger für die Unternehmen werde, so Prof. Dr. Beck. Ihre zukünftigen Absolventen müssen sich sicher keine Sorgen um einen Arbeitsplatz machen. Zwischen 20 und 30 Studenten werden ab Oktober die Pioniere der Materialwissenschaft in Aschaffenburg sein und dann auch die eigens dafür in einem gesonderten Neubau geschaffenen Labore nutzen.

Da lässt Gesa Beck dann auch schon einmal ihre Studenten einen Laptop auseinanderbauen und analysieren, welche Stoffe darin verbaut sind. Es ist wirklich erstaunlich, was dabei zu Tage kommt. Wer weiß schon, dass in fast jedem elektronischen Haushaltsgerät Kupfer, Gold, Silber und Palladium verbaut sind? Und noch erstaunter ist man, wenn die gebürtige Hamburgerin erläutert, dass in einer Tonne haushaltsüblichem Elektronikschrott 40 Mal so viel Gold enthalten ist, um den Scheißgeruch gar nicht erst entstehen zu lassen und in unserer Zahnpasta bisweilen mikrokleine Plastikkügelchen kleben, die über das Abwasser in den Meeren landen? Auch Abfallvermeidung ist deshalb ein großes Thema in dem neuen Studiengang. Beck berichtet von riesigen Plastikabfallinseln, die sich in den Ozeanen der Welt durch die Meeresströme bilden – Plastik, das von Fischen gefressen wird und dann möglicherweise irgendwann wieder verpackt als unschuldiges Käpt’n-Iglo-Stäbchen auf unseren Tellern landet.

So schließt sich der Kreislauf aus Förderung, Produktion, Nutzung, Entsorgung und Recycling. Die Materialwissenschaft forscht hier, um Ressourcen zu schonen, Abfall zu vermeiden und möglichst viele unserer wertvollen Rohstoffe wieder zu verwerten. Ein wenig geht es also auch darum, die Erde zu retten, verbrauchen wir Menschen doch jedes Jahr mehr als unser Planet an Ressourcen produziert. Und wenn man Frau Back noch eine Weile zuhört, gewinnt man die Überzeugung, dass sie ab Oktober mit ihren neuen Studenten in Aschaffenburg ein bisschen zur Weltrettung beitragen wird.